Gestatten: der Bindestrich

Der Bindestrich – in der Typografie auch Divis genannt – wird häufig falsch gesetzt. Viele verwechseln ihn mit dem längeren Gedankenstrich, der nicht nur anders aussieht, sondern auch eine ganz andere Funktion hat.

Wozu einen Bindestrich?

Der Bindestrich ist ein Viertelgeviert lang; er verbindet zusammengehörende Wörter oder signalisiert, dass etwas ausgelassen wird, zum Beispiel so: Groß- und Kleinschreibung.

Er ist auf jeder Tastatur zu finden und funktioniert in jedem CMS unter jedem Betriebssystem. Viele Schreiber gehen deshalb leider den bequemen Weg und setzen den Bindestrich auch dann, wenn der längere Halbgeviertstrich korrekt wäre, zum Beispiel als Gedankenstrich oder bei Zeitangaben.

In Onlinetexten wimmelt es nur so von verkehrten Strichen, auch auf den Seiten der großen Medienhäuser.


Verbinden, was zusammengehört

An anderer Stelle fehlt der Bindestrich leider viel zu oft, nämlich genau dort, wo er etwas verbinden soll. Das ist der Fall, wenn man mehr als zwei Bestandteile zu einem neuen Ganzen zusammenfügt: Franz-Xaver-Singer-Straße.

Auch wenn englische Begriffe mit deutschen verbunden werden, muss der Bindestrich gesetzt werden: Social-Media-Strategie. Gleiches gilt für Zusammensetzungen mit Zahlen und anderen Wortarten: Der 400-Euro-Job, die Stuttgart-21-Gegner und das In-sich-Ruhen. Die Sprachwissenschaft nennt das Durchkopplung.

Wenn nichts zu verbinden ist und Sie auch keine Wortteilung anzeigen möchten, hat der Bindestrich in Ihrem Text nichts zu suchen.

Ganz anders: der Halbgeviertstrich

Wenn Sie einen Gedanken-, Auslassungs- oder Streckenstrich setzen, Ihre Öffnungszeiten oder einen Geldbetrag angeben möchten, verwenden Sie einen
Halbgeviertstrich. Dieser lässt sich über das entsprechende Tastaturkürzel – unter Windows bzw. am Mac – schnell und einfach einfügen.


Miriam Muschkowski

Wortschätzle

4 Kommentare zu „Gestatten: der Bindestrich“

  1. Mondrian v. Lüttichau

    „An anderer Stelle fehlt der Bindestrich leider viel zu oft, nämlich genau dort, wo er etwas verbinden soll. Das ist der Fall, wenn man mehr als zwei Bestandteile zu einem neuen Ganzen zusammenfügt: Franz-Xaver-Singer-Straße.“ – Bei manchen Menschen (auch mir) wird es wohl nach wie vor als stimmig empfunden, wenn Eigennamen (Vor- und Nachname) bei Straßenbezeichnungen u.dgl. nicht gekoppelt werden. Schließlich werden sie ja auch nicht gekoppelt, wenn sie allein stehen, – obwohl sie auch dann „zwei Bestandteile sind, die zu einem neuen Ganzen zusammengefügt“ werden“. – – Aber ich weiß wohl, ich bin hier im falschen Film. Wenn es um bürokratisch verfügte „Normen“ geht, gibt es keine Logik. Das war jetzt nur ein hilfloses Zappeln…

    1. Miriam Muschkowski

      Bei manchen Menschen (auch mir) wird es wohl nach wie vor als stimmig empfunden, wenn Eigennamen (Vor- und Nachname) bei Straßenbezeichnungen u.dgl. nicht gekoppelt werden. Schließlich werden sie ja auch nicht gekoppelt, wenn sie allein stehen, – obwohl sie auch dann „zwei Bestandteile sind, die zu einem neuen Ganzen zusammengefügt“ werden“.

      Sie schreiben es selbst: Eigennamen werden nicht gekoppelt – warum sollten sie auch? Wenn Sie Ihren Namen aufschreiben, entsteht kein neues Ganzes, weil ein Name keine Zusammensetzung ist (nicht alles, was irgendeine Art von Verbindung aufweist, ist grammatikalisch eine Zusammensetzung). Erst wenn etwas dazukommt, was zusammen mit dem Namen eine neue Gesamtbezeichnung ergibt, wird gekoppelt. Die Regeln zur Bindestrichschreibung finden Sie sehr ausführlich hier: https://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/bindestrich. Oder Sie schauen mal im amtlichen Regelwerk, das Sie hier herunterladen können: https://www.rechtschreibrat.com/regeln-und-woerterverzeichnis/. Sie werden sehen, dass die Regeln durchaus einer Logik folgen.

      Da die Rechtschreibung nur im offiziellen Kontext verbindlich ist (also zum Beispiel in Schulen und Behörden), kann privat übrigens jeder schreiben, wie er möchte; wenn Sie das wollen, können Sie also auch »Franz Xaver Singer Straße« oder »Franz Xaver Singer-Straße« schreiben, auch wenn das den Regeln zuwiderläuft. Da wohl jeder mit dem Ziel schreibt, gelesen und verstanden zu werden, ist es aber durchaus sinnvoll, sich an die Regeln zu halten – nicht weil sie »bürokratisch verfügt« sind, sondern weil sie Einheitlichkeit gewährleisten, sodass man sich beim Lesen auf den Inhalt konzentrieren kann, statt über die Form zu stolpern.

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