Blick auf eine türkisgrüne Bucht auf der Insel Harris

Die Karibik in der Nachbarschaft

Reisebericht

In Schottland gibt es viele Orte, an denen man nicht überrascht wäre, wenn plötzlich ein Highlander hinter einem Felsen hervorgesprungen käme. Natürlich trifft man dann aber nur auf urlaubende Hochländer in Kunstfaser statt Kilt, wie man in diesem Moment selber einer ist.

No Vacancies

Blick vom Berg auf eine langgezogene Bucht unter bewölktem Himmel

Schottland, vor allem die Highlands und die Isle of Skye, sind in den letzten Jahren zu einem beliebten Touristenziel geworden. Spätestens wenn man an praktisch jedem B&B-Schild ein eindeutiges NO VACANCIES (Alle Zimmer belegt) prangen sieht, weiß man: Hier ist man so was von nicht allein. Und wir waren noch nicht mal in der Hochsaison unterwegs. So gesehen war es wohl ein Fehler, in Schottland ähnliche Verhältnisse wie in Wales zu erwarten …

Reif für die Insel

Es hat natürlich zwei Seiten, wenn man als Reisender die unbekannten Landschaften gern für sich allein hätte. Man ist schließlich selbst ein Teil der Horde. Umso schöner ist es, wenn man tatsächlich ein Fleckchen findet, an dem noch nicht unzählige Wanderstiefel ihre Spuren hinterlassen haben.

Reste einer Burg aus der Froschperspektive hinter einer blühenden Wiese

Unser Fleckchen war die Doppelinsel Lewis and Harris in den Äußeren Hebriden, die wie ein schützender Ring vor Schottlands Nordwestküste liegen. Man erreicht sie nur mit der Fähre (oder mit dem Flieger), die man zudem vorab buchen muss und die nicht unbedingt ein Schnäppchen ist – der große Run auf die Äußeren Hebriden ist wohl auch deshalb bislang ausgeblieben. Ist man aber erst mal dort, will man gar nicht mehr weg, auch wenn man ausgerechnet im Inselnirgendwo auf Urlauber aus Rottweil trifft (an dieser Stelle schöne Grüße an die Camper, mit denen wir beim Ausweichen auf der Single Track Road kurz geplaudert haben).

»Wir sind hier wirklich verwöhnt«

Die raue Einsamkeit der weitgehend naturbelassenen Insel fing uns ein, sobald wir den Fährhafen hinter uns gelassen hatten. Das wäre uns schon genug gewesen, der große Moment stand uns aber noch bevor: Auf Harris, dem südwestlichen Teil der Insel, reiht sich eine Bilderbuchbucht an die andere. Feinster weißer Sand und glasklares türkisblaues Wasser – und unser Campingplatz lag direkt hinter einem solchen Strand in den Dünen!  »We’re spoilt here« – Wir sind hier wirklich verwöhnt –, erklärte uns der Verwalter des Campingplatzes, und wir können da nur zustimmen.

Blick auf die Steinformation von Callanish

Die spektakuläre Natur auf der Insel beschränkt sich aber nicht auf die Strände. Auf Lewis/Harris gibt es schroffes Moor mit zahlreichen kleinen und größeren Seen, tief ins Land schneidende Fjorde, flaches Land, aber auch das unwegsame Gebirge, das die Insel teilt – auf den wenigen Straßen der Insel kann man eine abwechslungsreiche Rundfahrt unternehmen. Anhalten sollte man auch bei den faszinierenden historischen Sehenswürdigkeiten. Dazu gehören die Callanish Stones, ungefähr 5000 Jahre alte mythische Steinkreise, und Carloway Broch, ein runder Steinturm aus dem 11. Jahrhundert. Von Harris kommt übrigens auch der weltberühmte Harris Tweed, und die Insel hat eine eigene Destille.

Die Highlands erst mal links liegen lassen

Mein Tipp für Schottland lautet deshalb: Die Highlands kann man ruhig auch erst mal links liegen lassen und sich stattdessen die Äußeren Hebriden anschauen. Wenn sich der Hype gelegt hat, ist dann das Hochland dran.

Bleibt die Frage nach dem Wetter, Großbritannien werden schließlich nicht gerade karibische Temperaturen nachgesagt. Was soll ich sagen? Wir haben traumhaft sonnige Tage auf Lewis/Harris verbracht …


Miriam Muschkowski

Griffelspitzerin vom Dienst. Damit Ihre Texte für Sie sprechen.

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