Blog / Gedanken, Tipps und Tools

Heute bekam ich eine E-Mail von einer Content-Agentur. Diese Agentur gehört zu einer der größten Zeitungsgruppen in Deutschland.

Die Dame, die mir schrieb, stellte sich als Ansprechpartnerin für die freien Autoren vor und bat um einen suchmaschinenoptimierten Probetext. Damit ich weiß, wie man so was schreibt, schickte sie eine lange Liste mit Anweisungen mit. Zusätzlich zu dem Probetext sollte ich meine Vorgehensweise beschreiben und begründen.

Ich habe dann mal gefragt, welches Honorar die Agentur für diese Leistung bezahlt.

Frau R. schrieb mir:

 Hallo Frau Muschkowski,

für den Probetext zahlen wir kein Honorar. Uns geht es um eine längerfristige Zusammenarbeit mit einem freien Autoren und da möchten wir sicher gehen, dass wir zusammenpassen und auch das von Ihnen bekommen, was wir uns vorstellen.

Bitte lassen Sie mich wissen, ob der Probetext dann für Sie infrage kommt oder nicht.

Viele Dank und beste Grüße,
M. R.

Das musste ich mir erst mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich soll also meine Zeit und meine Arbeitsleistung unbezahlt zur Verfügung stellen. Für eine Agentur, die zu einer der größten Zeitungsgruppen des Landes gehört und auf ihrem Blog schreibt, dass es gute Texte nicht zum Billigpreis gibt. Meiner Meinung nach ist das einfach nur Abzocke.

Was wäre wohl eine passende Antwort auf eine solche Anfrage?

Sehr geehrte Frau R.,

bestehen Sie beim Friseur darauf, einen kostenlosen Probeschnitt zu bekommen? Lassen Sie den Automechaniker erst mal ein paar Teile umsonst tauschen, um zu sehen, ob er die Zündkerzen nach Ihren Vorstellungen rausschraubt?

Vielleicht möchten Sie sich ja mal mit meinem neuen Vermieter in Verbindung setzen. Er will einfach nicht einsehen, dass ich im ersten Monat umsonst wohnen möchte. Schließlich bin ich an einem längerfristigen Mietverhältnis interessiert, und da möchte ich sichergehen, dass wir zusammenpassen und ich in der Wohnung auch so wohnen kann, wie ich mir das vorstelle.

Bitte lassen Sie mich wissen, ob Sie die erste Monatsmiete für mich bezahlen. Dafür bekommen Sie dann auch gerne einen Probetext von mir. In diesem Fall würde ich sogar eine Ausnahme für Sie machen – eigentlich arbeite ich nämlich nur mit Profis.

Nur das Beste wünscht Ihnen

Miriam Muschkowski

Miriam Muschkowski

Miriam Muschkowski

Griffelspitzerin vom Dienst. Damit Ihre Texte für Sie sprechen.

3 Kommentare

  1. Hallo! :-)
    Bin ich froh, auf diesen Blog gefunden zu haben. Der Text spricht mir so aus der Seele. Als ich noch freiberuflich unterwegs war, bekam ich oft solche Angebote. Viele Auftraggeber meinen immer noch, jeder könne schreiben und sich einen Text mal eben so aus dem Handgelenk schütteln. Aber bitte fundiert recherchiert und fehlerfrei. Und kosten soll er bitte nix. Ich frage mich, wo soll das noch hinführen?

    LG
    Jana

  2. Ich schließe mich Ihnen und Jana voll und ganz an. Ich persönlich biete meinen Kunden eine enge Kooperation vorab (in der Konzeptionsphase) und eine Überarbeitung im Rahmen des abgenommenen Konzepts an. Das hat bislang immer ausgereicht, um die Wünsche meiner Auftraggeber zu erfüllen. Darüber hinaus gibt’s für den Fall der Fälle in meinen AGB Gewährleistungsparagrafen. Und ob Schreibstil einschließlich unterschiedliche Sprachstilistiken eines Texters, Grammatik, Orthografie, Hintergrundrecherchen etc. „passen“: Davon können sich Auftraggeber zumindest bei Profis anhand eingestellter Arbeitsproben oder Blogbeiträgen überzeugen. Wesentlich mehr sagt auch ein Probetext „für lau“ nicht aus …

    LG, Sandra 77

  3. Miriam Muschkowski

    Miriam Muschkowski

    Danke, Jana und Sandra. Hoffen wir, dass künftig immer weniger Freiberufler bereit sein werden, umsonst zu arbeiten.