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Ich lege jetzt ein Geständnis ab: Es gab mal eine Zeit, in der ich sehr gerne Volksmusik gehört habe. Das ist allerdings über zwanzig Jahre her. Heute müsste man mir Geld geben, damit ich mir das Mutant–, äh, Musikantenstadl reinziehe, aber als kleines Kind war ich natürlich nicht so wählerisch, wenn Volksmusik bedeutete, dass ich bei meiner Oma quasi mitten in der Nacht noch mal aufstehen durfte.

Dann wurde der Fußschemel aus dem Weg geräumt, damit ich genügend Platz für die passenden Tanzbewegungen hatte. Ja, Sie haben richtig gelesen: der Fußschemel. (Dachten Sie jetzt, ich würde etwas über die Tanzbewegungen schreiben? Das nehme ich mit ins Grab!) Meine Oma hatte nämlich noch so einiges, was man in einem modernen Haushalt üblicherweise nicht mehr findet, und dazu gehörte auch dieser Fußschemel. Er hatte ein dickes, mit ehemals samtigem Stoff überzogenes Polster. Ein faszinierendes Ding. Ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt einen gesehen habe. Auf dem Flohmarkt vielleicht.

Da fällt mir ein: Gibt es noch diese runden Dinger, aus denen ein lautes Muh ertönt, wenn man sie umdreht? So eines gab’s ebenfalls bei meiner Oma. Ich konnte es endlose Male umdrehen, ohne dieser Beschäftigung überdrüssig zu werden. Was war die Freude groß, als ich entdeckte, dass mein letzter Freund noch seine Dosenkuh aus Kindertagen besaß! Sie hatte sogar einen Namen, so einen typischen Kuhnamen: Sie hieß Liesbeth. Er hat es schnell bereut, mir das Spielzeug in die Hand gegeben zu haben, denn sofort ging die ungehemmte Umdreherei wieder los. Nach dem vierten Mal verbat er sich das Gemuhe, ich aber hatte Blut geleckt. Am Ende musste er mir Liesbeth wegnehmen und ich zog eine Schnute wie ein kleines Kind. Man könnte mir ein nagelneues Smartphone in der einen und eine Dosenkuh in der anderen Hand anbieten – ich würde das Telefon keines Blickes würdigen.

Meine Oma hat übrigens immer gerne erzählt, wie ich einmal Senf statt Zucker und Zimt zu meinen Pfannkuchen verlangte, weil ich das falsch verstanden hatte. Wenn mir jemand eine original Dosenkuh schenkt, esse ich dafür einen Pfannkuchen mit Senf. Deal?

Miriam Muschkowski

Miriam Muschkowski

Griffelspitzerin vom Dienst. Damit Ihre Texte für Sie sprechen.

Ein Kommentar

  1. Die Dosenkuh war toll, an die erinnere ich mich auch noch